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Ostmoderne

“Metropolar” richtet den Blick auf den Staudenhof

Baukultur in Potsdam ist seit jeher Baupolitik. Das galt schon seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg aber polarisiert insbesondere seit der Wiedervereinigung: Vom damaligen Abriss eines Theaterrohbaus bis zum Streit um 40 Zentimeter Stadtschloss in diesem Frühling reicht die Debatte. Nachdem mit dem Stadtschloss der erste Leitbau in Angriff genommen wurde, soll jetzt das Ensemble rund um den Staudenhof erhöhte Aufmerksamkeit bekommen – “Metropolar” nennt sich eine Initiative, die zu einem differenzierten Blick auf die “Ostmoderne” auffordert.

Zwischen Platz der Einheit und Altem Markt war seit den 70er Jahren ein neues, sozialistisches Stadtzentrum geschaffen worden. Mit Bibliothek und Lehrerbildungszentrum (der heutigen Fachhochschule), mit einem Exquisitladen neben Marx-Denkmal, Plattenbauwohnungen und einem Grünstreifen in der Mitte – der Staudenhof. Selbst ein riesiger Luftschutzkeller im Untergrund war geplant, wurde allerdings nie realisiert. Der Abriss dieses Ensembles ist lange beschlossen, kein Pinselstrich seitdem getan. Ende 2012 zieht die Hochschule aus, irgendwann auch die Bewohner des Plattenbaus am Staudenhof. Dann werden vier neue Quartiere auf dem alten Grundriss wiederkehren. Moderne Architektur und Leitfassaden – der Stoff für Debatten ist auch weitere 20 Jahre gesichert.

Die Initiative “Metropolar” kämpft nicht für den Erhalt der Substanz, sondern will die Wahrnehmung für den Wandel der Stadtgestalt schärfen, für die Zeit nach dem Abriss Erinnerungen eines Ortes schaffen, der in seiner massigen Dimension das Bild des Stadtzentrums bei jungen Potsdamern derart prägte, wie es in einer älteren Generation nur das Stadtschloss tat. Künstler, Architekten, Stadtführer und Designer gehören der heterogenen Gruppe an. Vom 17. bis 20. Juni stellt sie sich im Staudenhof vor und möchte mit Hilfe einer “Wahrnehmungswerkstatt” diesen dem Verschwinden geweihten Ort künstlerisch und stadtgeschichtlich dokumentieren, sowie im Kontext der DDR-Moderne verstehen lernen.

Metropolar zeigt in den vier Tagen Filme zur Architektur der Ostmoderne, führt durch das Ensemble und bittet die einstigen Gestalter und heutigen Bewohner des Staudenhofs zum Gespräch in das temporäre “Café Metropolar”.                                                                                                   [Peter Degener]

Text entnommen von folgender Seite

www.friedrich-potsdam.de/index.php/artikel-im-heft/124-ostmoderne-rmetropolarl-schaut-auf-diese-stadt

Metropolar ist ein loser Zusammenschluss von Künstlern, Designern, Architekten, Soziologen und Medienwissenschaftlern. In regelmäßig unregelmäßigen Abständen treffen wir uns, mit dem Ziel einen lebendigen Austausch über die Veränderungen in der Stadt Potsdam anzuregen. Wir planen und realisieren Veranstaltungen, bieten eine Plattform für öffentliche Diskurse und künstlerische Auseinandersetzungen mit und im Stadtraum Potsdam.

metropolar ist gefördert aus Mitteln der Stadt Potsdam, Fachbereich Kultur und Museum.

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